Ich weiss nicht, ob ich das schon mal geschrieben habe, wir hatten letztens in der Schule einen Vortrag in Sexualkunde... Ein Thema dabei war Abtreibung. Und das ist hier irgendwie ein Aspekt, der mal zeigt, dass die Argentinier doch sehr viel "altmodischer" (mir faellt gerade kein gutes Wort ein) sind als wir Deutschen.In Deutschland wird das Thema ja recht offen behandelt, man darf nach einer bestimmten Beratung abtreiben und die Meinungen sind halt geteilt. Hier ist Abtreibung illegal und alle sehen das nur als Mord und schlecht an.. Und so generell ist das Thema Sex, Verhuetung und so weiter hier laengst nicht so ein offenes Thema, unter den Erwachsenen jedenfalls nicht. Es gibt auch viel mehr junge Maedchen als in Deutschland, die schwanger werden. Ich habe in meiner Klasse ein Maedchen, dass einen dreimonatigen Sohn hat. Ich habe mich mit ein paar Freundinnen von ihr darueber unterhalten, wie sie das alles macht und so..Ich glaube, sie kommt ganz gut zurecht, ihre Grosseltern helfen ihr viel, sie geht zur Schule und macht auch was mit Freunden. So richtig kriege ich das aber nicht mit. Ich habe gesagt, dass ich es ueberhaupt nicht verstehen kann, wie man in der heutigen Zeit so bloed sein kann und einfach nicht aufzupassen und schwanger zu werden. Da meinte eine von den Maedels, fuer sie sei das nicht der Fehler gewesen. Milena (so heisst die Mutter) habe sich durch das Baby naemlich total zum Guten veraendert. Vorher war sie wohl eher oberflaechlich und irgendwie "schlampig". Seit sie das Kind hat, verstehen sie sich alle viel besser mit ihr, sie ist viel netter und offener geworden. Der Fehler waere das erste Mal gewesen, sie sei naemlich schon einmal schwanger gewesen und habe da aber das Kind abgetrieben. Ich war irgendwie geschockt, ich meine, dass sie aus diesem ersten Mal nicht gelernt hat und gleich nochmal schwanger geworden ist, ist doch irgendwie unglaublich. Naja, aber ich mag sie eigentlich gern und wie es scheint, ist sie gluecklich mit ihrem Kind...
Was hier auch so ein Tabu-Thema ist, ist Homosexualitaet. Es gibt zwar Gay-Discos und auch genuegend homosexuelle Paerchen, aber in der Oeffentlichkeit hat man das zu verschweigen. Meine Gastmama meinte auch zum Beispiel letztens: Nein, ich akzeptiere keine homosexuellen Paerchen. Wir haben ein bisschen diskutiert, weil ich der Meinung bin, dass jeder so sein koennen sollte, wie er will, aber sie fand das total schrecklich. Am Ende meinte sie, hoechstens unter Frauen waere das ok, aber unter Maennern, nein, auf keinen Fall. Das finde ich jetzt allerdings noch bescheuerter, als das generell abzulehnen, wo ist denn da bitte der Unterschied?? Naja, es gibt wahrscheinlich auch in Deutschland genug Leute mit dieser Ansicht, aber ich fand das irgendwie bloed. Das sind so typische Sachen, wo die Leute einfach ihre feste Ansicht haben und gar nicht auf die Idee kommen wuerden auch mal eine andere Meinung auch nur zu ueberdenken... ;)
Montag, 30. November 2009
Dienstag, 24. November 2009
Mit dem Regen, der jetzt endlich mal eingesetzt hat (oft allerdings nur ein Nieseln) kommt auch die feuchte Luft. Heute war es zwar nicht besonders warm, aber man hat sich gefuehlt, wie in den Tropenhaesern im Zoo. Echt hammer hier, das Wetter, erst diese trockene mega Hitze und jetzt eine Luftfeuchtigkeit von 94% (!!!) ... Hab extra grad nachgeguckt ;)
Jetzt am Abend ist es aber ein bisschen kuehler und schoener, hab mich deshalb entschlossen, joggen zu gehen. Leider ist mir auf dem Weg mein Mp3-Player runtergefallen und hat dann erstmal zehn Minuten nicht funktiniert ... Ich hasse joggen ohne Musik, da hab ich viel weniger Kondition und krieg sofort Seitenstiche (bloedsinnig eigentlich ;) )... Naja, zum Glueck tat das Teil dann irgendwann wieder. Mir kamen die ganze Zeit andere Jogger und Fahrradfahrer entgegen, was mich allerdings nicht daran gehindert hat, laut mit der Musik mitzusingen :D Irgendwie hats mich nicht gestoert, dass sie mich alle angeguckt haben...
Eine andere Sache... Ich hab bestimmt schon mal geschrieben, dass einem die Maenner immer hinterherrufen und hupen und so... Naja, wenn ich zum Beispiel zum Klavier laufe (ungefaehr 15 Minuten zu Fuss), dann gibt es bestimmt drei Maenner, die pfeifen oder mir etwas zurufen und noch mal einige mehr, die mir einfach nur hinterherglotzen. Am Anfang hat mir das richtig Angst gemacht, ich bin nicht gerne alleine auf die Strasse gegangen, weil ich immer gleich gedacht habe, oh nein, der will mich klauen... Inzwischen bewege ich mich hier fast genauso frei und unbesorgt wie in Deutschland. Stoeren tun mich diese Typen zwar immer noch, aber ich hab mich dran gewoehnt. Heute ist es mir allerdings zweimal passiert, dass es Taxifahrer waren, die mir aus dem offenen Autofenster etwas zugerufen haben. Und obwohl es naiv ist, zu glauben, Taxifahrer waeren alles nette Menschen und ganz anders als die anderen Maenner, hab ich da nur so gedacht, Schreck, du bist ein Taxifahrer, du darfst das nicht, dir muss ich doch vertrauen koennen, beim naechsten Mal sitze ich vielleicht bei dir im Auto. Hier faehrt man naemlich viel Taxi, weil einfach super billig und bequem ist, und es kommt auch oefters vor, dass ich (tagsueber) mal alleine im Taxi sitze. Im Allgemeinen passiert da ja auch nichts, aber trotzdem fand ich das irgendwie eine unangenehme Erfahrung.
--> Mama, wehe du schreibst mir jetzt eine Email, dass ich bitte aufpassen soll, zu wem ich ins Auto steige, ich passe schon auf ;)
Jetzt am Abend ist es aber ein bisschen kuehler und schoener, hab mich deshalb entschlossen, joggen zu gehen. Leider ist mir auf dem Weg mein Mp3-Player runtergefallen und hat dann erstmal zehn Minuten nicht funktiniert ... Ich hasse joggen ohne Musik, da hab ich viel weniger Kondition und krieg sofort Seitenstiche (bloedsinnig eigentlich ;) )... Naja, zum Glueck tat das Teil dann irgendwann wieder. Mir kamen die ganze Zeit andere Jogger und Fahrradfahrer entgegen, was mich allerdings nicht daran gehindert hat, laut mit der Musik mitzusingen :D Irgendwie hats mich nicht gestoert, dass sie mich alle angeguckt haben...
Eine andere Sache... Ich hab bestimmt schon mal geschrieben, dass einem die Maenner immer hinterherrufen und hupen und so... Naja, wenn ich zum Beispiel zum Klavier laufe (ungefaehr 15 Minuten zu Fuss), dann gibt es bestimmt drei Maenner, die pfeifen oder mir etwas zurufen und noch mal einige mehr, die mir einfach nur hinterherglotzen. Am Anfang hat mir das richtig Angst gemacht, ich bin nicht gerne alleine auf die Strasse gegangen, weil ich immer gleich gedacht habe, oh nein, der will mich klauen... Inzwischen bewege ich mich hier fast genauso frei und unbesorgt wie in Deutschland. Stoeren tun mich diese Typen zwar immer noch, aber ich hab mich dran gewoehnt. Heute ist es mir allerdings zweimal passiert, dass es Taxifahrer waren, die mir aus dem offenen Autofenster etwas zugerufen haben. Und obwohl es naiv ist, zu glauben, Taxifahrer waeren alles nette Menschen und ganz anders als die anderen Maenner, hab ich da nur so gedacht, Schreck, du bist ein Taxifahrer, du darfst das nicht, dir muss ich doch vertrauen koennen, beim naechsten Mal sitze ich vielleicht bei dir im Auto. Hier faehrt man naemlich viel Taxi, weil einfach super billig und bequem ist, und es kommt auch oefters vor, dass ich (tagsueber) mal alleine im Taxi sitze. Im Allgemeinen passiert da ja auch nichts, aber trotzdem fand ich das irgendwie eine unangenehme Erfahrung.
--> Mama, wehe du schreibst mir jetzt eine Email, dass ich bitte aufpassen soll, zu wem ich ins Auto steige, ich passe schon auf ;)
Dienstag, 17. November 2009
Jetzt muss ich mal ausfuehrlich von meinem Wochenende berichten. Das war naemlich echt super....
Am Donnerstagnachmittag bin ich mit 15 anderen Leuten aus meiner Schule und drei Lehrerinnen losgefahren nach San Fransisco de Chañar, ein armes Dorf im Norden von Córdoba. Bis Samstag wollten wir dort bleiben und eine kleine Schule in der Pampa besuchen und dort helfen...Bevor es losging haben wir uns alle in der kleinen Aula unserer Schule in Córdoba versammelt und die ersten Klassen hatten eine Verabschiedung fuer uns vorbereitet. Sie hatten Geld und Spielzeug fuer die kleine Schule gesammelt und Plakate gemacht, die uns viel Glueck bei der Mission wuenschten. Dann wurde uns noch jeder eine Kette mit einem kleinen Holzkreuz ueberreicht, das uns beschuetzen sollte. Wir haben gebetet und danach ging es dann endlich los. Schon die dreistuendige Busfahrt war lustig, ich habe mich mal mehr mit ein paar Maedchen unterhalten, mit denen ich sonst eigentlich nichts zu tun habe und wir haben uns echt super verstanden.
Das Dorf war wider aller Erwartungen total huebsch und gepflegt, wir wurden herzlich empfangen, die Leute hatten extra Matratzen zum Schlafen fuer uns gesammelt, was uns freudig ueberraschte, fast niemand hatte naemlich eine Luftmatratze dabei. Den Abend haben wir auf dem Dorfplatz verbracht, das erste, was uns auffiel, war die Sauberkeit, es lag kein Papierschnipsel herum - ein Unterschied zur Grossstadt Córdoba... Was den anderen auch besonders erschien (fuer mich war es eher normal, schliesslich bin ich gebuertiger Doerfler ;)), war dass die Kinder alleine auf der Strasse gespielt haben.. Sie waren alle super suess, ein Kind hat spaeter ihrer Mutter erzaehlt: Mama, da war ein Maedchen, die konnte nicht reden. Die spricht richtig schlecht, sie konnte es einfach nicht. Und dann hat die Mama ihr erklaert, dass das daran liegt, dass das Maedchen aus Deutschland kommt und das Kind hat gefragt: Deutschland, was ist das?... Super lustig, das sind dann so Dinge, die die Kinder in diesen Doerfern einfach nicht mitbekommen. Dieser erste Abend war richtig schoen gemuetlich, wir sassen alle zusammen auf dem Platz, haben gegessen und ein bisschen gesungen, ein Maedchen hatte naemlich eine Gitarre dabei...
Am naechsten Tag wurden wir um 6 Uhr geweckt und um sieben gings los zu der kleinen Schule. Eine Stunde Busfahrt durch die Pampa - Die Landschaft bestand aus trockener Erde und Graesern und dunkelgruenen Pflanzen. Die einzigen Farbtupfer waren ein paar bunte Blueten einiger Baeume und Kakteen. Alle 20 Minuten kam mal ein kleiner Hof, ein paar Kuehe, Pferde und Huehner. Und dann waren wir angekommen.
Ein weisses kleines Gebaude mit einem Schild dran, das zeigte, dass dies eine Schule war. Es gab ein Klassenzimmer, eine Mini-Kueche und einen Essensraum und Toiletten. Die ungefaehr 20 Kinder, die taeglich teilweise zwei Stunden von den abgelegenen Hoefen zur Schule laufen, blickten uns neugierig an. Wir luden die Sachen aus (Trinkwasser fuer uns - das Wasser aus dem Hahn dort ist nicht trinkbar), Spielzeug und natuerlich die Farbe usw. zum Anstreichen)... Waehrend wir dann mit der Arbeit begannen und das Klassenzimmer leerraeumten, Stuehle und Tische abschmiergelten und mit dem Streichen begannen, machten die Schueler draussen mit Trommeln Musik und tanzten Folkloretaenze, ein Lehrer spielte Gitarre. Dann gab es Fruehstueck, erst fuer die Kinder und dann fuer uns und danach ging es mit der Arbeit weiter. Obwohl die Sonne inzwischen schon ziemlich hoch stand und es bestimmt schwuele 35 Grad waren, ging niemandem die Motivation verloren. Wir schmiergelten und strichen die Waende bis alle farbverschmiert und kaputt waren. Als wir innen fertig waren ging es ans sauber machen. Nicht nur wir sondern auch der Boden hatte einiges an Farbe abbekommen, die es jetzt mit Lappen und Buersten abzukratzen galt. Auch das war relativ schnell geschafft, da wir viele Leute waren. Um zwei Uhr gab es Mittagessen und um vier waren wir zurueck in dem kleinen Dorf. Dort gab es dann noch eine Ueberraschung, man hatte uns vorher gesagt, dass wir uns nicht duschen koennten, weil es ja im Moment so wenig Wasser gibt.Das war dann aber doch moeglich, zwar nur kurz und mit kaltem Wasser aber das stoerte niemanden. Zwei Stunden spaeter gingen wir alle frisch geduscht und mit sauberen Klamotten zur Eisdiele und verbrachten den Rest des Abends wieder auf dem Dorfplatz. Zu reden gab es viel, so viele Eindruecke hatte der Tag gebracht. Die Armut hier war leicht zu erkennen. Alles war viel einfacher, mir waren viele Kinder und Frauen aufgefallen, die verfaulte Zaehne hatten, aber trotzdem waren diese Menschen nicht ungluecklich als wir. Im Gegenteil, sie hatten eine beeindruckende Lebensfreude. Eine schoene Situation war zum Beispiel, als wir ein paar Jungen in der Schule den Fussball gegeben hatten, den wir mitgebracht hatten. Ein ganz gewoehnlicher Fussball, aber diese Kinder hatten sich so darueber gefreut, ein heiler, unzerfetzter Fussball und sie haben gestrahlt, als haetten wir ihnen sonst was geschenkt.
Am naechsten Vormittag machten wir weiter, strichen noch den Essensraum, die Tueren und Fenster an. Heute blieb mehr Zeit, auch etwas mit den Kindern zu machen, wir spielten Fussball mit ihnen und mittags bereiteten die Vaeter als Dankeschoen fuer alle einen Asado (argentinisches Grillen) vor. Wir assen alle gemeinsam, mit den Lehrern, Kindern und Eltern. Danach wurde ich gebeten, den Leuten ein paar Saetze auf Deutsch zu sagen, um den Kindern zu zeigen, dass es auch noch andere Sprachen und Laender gibt. Sie haben mich mit offenen Muendern staunend angeguckt, so etwas hatten sie wohl wirklich noch nie erlebt. Die Lehrer der kleinen Schule haben jetzt geplant, im naechsten Jahr fuer fuenf Tage mit den Kindern nach Córdoba zu kommen. Sie wuerden ihnen ein Kino, ein Shopping-Center, eine Rolltreppe zeigen, alles Dinge die sie vorher noch nie gesehen haben.
Diese zwei Tage waren total beeindruckend und schoen, es gibt einem ein gutes Gefuehl, zu sehen, wie man Menschen eine Freude macht, auch nur mit so kleinen Dingen, wie ihre Schule anzustreichen und ihnen ein paar alte Spiele zu schenken.
Am Donnerstagnachmittag bin ich mit 15 anderen Leuten aus meiner Schule und drei Lehrerinnen losgefahren nach San Fransisco de Chañar, ein armes Dorf im Norden von Córdoba. Bis Samstag wollten wir dort bleiben und eine kleine Schule in der Pampa besuchen und dort helfen...Bevor es losging haben wir uns alle in der kleinen Aula unserer Schule in Córdoba versammelt und die ersten Klassen hatten eine Verabschiedung fuer uns vorbereitet. Sie hatten Geld und Spielzeug fuer die kleine Schule gesammelt und Plakate gemacht, die uns viel Glueck bei der Mission wuenschten. Dann wurde uns noch jeder eine Kette mit einem kleinen Holzkreuz ueberreicht, das uns beschuetzen sollte. Wir haben gebetet und danach ging es dann endlich los. Schon die dreistuendige Busfahrt war lustig, ich habe mich mal mehr mit ein paar Maedchen unterhalten, mit denen ich sonst eigentlich nichts zu tun habe und wir haben uns echt super verstanden.
Das Dorf war wider aller Erwartungen total huebsch und gepflegt, wir wurden herzlich empfangen, die Leute hatten extra Matratzen zum Schlafen fuer uns gesammelt, was uns freudig ueberraschte, fast niemand hatte naemlich eine Luftmatratze dabei. Den Abend haben wir auf dem Dorfplatz verbracht, das erste, was uns auffiel, war die Sauberkeit, es lag kein Papierschnipsel herum - ein Unterschied zur Grossstadt Córdoba... Was den anderen auch besonders erschien (fuer mich war es eher normal, schliesslich bin ich gebuertiger Doerfler ;)), war dass die Kinder alleine auf der Strasse gespielt haben.. Sie waren alle super suess, ein Kind hat spaeter ihrer Mutter erzaehlt: Mama, da war ein Maedchen, die konnte nicht reden. Die spricht richtig schlecht, sie konnte es einfach nicht. Und dann hat die Mama ihr erklaert, dass das daran liegt, dass das Maedchen aus Deutschland kommt und das Kind hat gefragt: Deutschland, was ist das?... Super lustig, das sind dann so Dinge, die die Kinder in diesen Doerfern einfach nicht mitbekommen. Dieser erste Abend war richtig schoen gemuetlich, wir sassen alle zusammen auf dem Platz, haben gegessen und ein bisschen gesungen, ein Maedchen hatte naemlich eine Gitarre dabei...
Am naechsten Tag wurden wir um 6 Uhr geweckt und um sieben gings los zu der kleinen Schule. Eine Stunde Busfahrt durch die Pampa - Die Landschaft bestand aus trockener Erde und Graesern und dunkelgruenen Pflanzen. Die einzigen Farbtupfer waren ein paar bunte Blueten einiger Baeume und Kakteen. Alle 20 Minuten kam mal ein kleiner Hof, ein paar Kuehe, Pferde und Huehner. Und dann waren wir angekommen.
Ein weisses kleines Gebaude mit einem Schild dran, das zeigte, dass dies eine Schule war. Es gab ein Klassenzimmer, eine Mini-Kueche und einen Essensraum und Toiletten. Die ungefaehr 20 Kinder, die taeglich teilweise zwei Stunden von den abgelegenen Hoefen zur Schule laufen, blickten uns neugierig an. Wir luden die Sachen aus (Trinkwasser fuer uns - das Wasser aus dem Hahn dort ist nicht trinkbar), Spielzeug und natuerlich die Farbe usw. zum Anstreichen)... Waehrend wir dann mit der Arbeit begannen und das Klassenzimmer leerraeumten, Stuehle und Tische abschmiergelten und mit dem Streichen begannen, machten die Schueler draussen mit Trommeln Musik und tanzten Folkloretaenze, ein Lehrer spielte Gitarre. Dann gab es Fruehstueck, erst fuer die Kinder und dann fuer uns und danach ging es mit der Arbeit weiter. Obwohl die Sonne inzwischen schon ziemlich hoch stand und es bestimmt schwuele 35 Grad waren, ging niemandem die Motivation verloren. Wir schmiergelten und strichen die Waende bis alle farbverschmiert und kaputt waren. Als wir innen fertig waren ging es ans sauber machen. Nicht nur wir sondern auch der Boden hatte einiges an Farbe abbekommen, die es jetzt mit Lappen und Buersten abzukratzen galt. Auch das war relativ schnell geschafft, da wir viele Leute waren. Um zwei Uhr gab es Mittagessen und um vier waren wir zurueck in dem kleinen Dorf. Dort gab es dann noch eine Ueberraschung, man hatte uns vorher gesagt, dass wir uns nicht duschen koennten, weil es ja im Moment so wenig Wasser gibt.Das war dann aber doch moeglich, zwar nur kurz und mit kaltem Wasser aber das stoerte niemanden. Zwei Stunden spaeter gingen wir alle frisch geduscht und mit sauberen Klamotten zur Eisdiele und verbrachten den Rest des Abends wieder auf dem Dorfplatz. Zu reden gab es viel, so viele Eindruecke hatte der Tag gebracht. Die Armut hier war leicht zu erkennen. Alles war viel einfacher, mir waren viele Kinder und Frauen aufgefallen, die verfaulte Zaehne hatten, aber trotzdem waren diese Menschen nicht ungluecklich als wir. Im Gegenteil, sie hatten eine beeindruckende Lebensfreude. Eine schoene Situation war zum Beispiel, als wir ein paar Jungen in der Schule den Fussball gegeben hatten, den wir mitgebracht hatten. Ein ganz gewoehnlicher Fussball, aber diese Kinder hatten sich so darueber gefreut, ein heiler, unzerfetzter Fussball und sie haben gestrahlt, als haetten wir ihnen sonst was geschenkt.
Am naechsten Vormittag machten wir weiter, strichen noch den Essensraum, die Tueren und Fenster an. Heute blieb mehr Zeit, auch etwas mit den Kindern zu machen, wir spielten Fussball mit ihnen und mittags bereiteten die Vaeter als Dankeschoen fuer alle einen Asado (argentinisches Grillen) vor. Wir assen alle gemeinsam, mit den Lehrern, Kindern und Eltern. Danach wurde ich gebeten, den Leuten ein paar Saetze auf Deutsch zu sagen, um den Kindern zu zeigen, dass es auch noch andere Sprachen und Laender gibt. Sie haben mich mit offenen Muendern staunend angeguckt, so etwas hatten sie wohl wirklich noch nie erlebt. Die Lehrer der kleinen Schule haben jetzt geplant, im naechsten Jahr fuer fuenf Tage mit den Kindern nach Córdoba zu kommen. Sie wuerden ihnen ein Kino, ein Shopping-Center, eine Rolltreppe zeigen, alles Dinge die sie vorher noch nie gesehen haben.
Diese zwei Tage waren total beeindruckend und schoen, es gibt einem ein gutes Gefuehl, zu sehen, wie man Menschen eine Freude macht, auch nur mit so kleinen Dingen, wie ihre Schule anzustreichen und ihnen ein paar alte Spiele zu schenken.
Montag, 9. November 2009
Ich hab gestern zum ersten Mal so richtig auf Spanisch geträumt... :) Irgendwas verruecktes, wir waren in der Schule und ein paar Leute sind umgebracht worden (Ich seh eindeutig zu viel argentinische Telenovela, vielleicht liegts auch daran, dass ich gerade Harry Potter lese :D) und dann sollten wir zum Beten in die Sporthalle gehen ... Nicht sonderlich sinnvoll, aber naja... Irgendwas hat mich dann mitten im Traum aufgeweckt und ich bin aufgestanden, noch total verschlafen und dachte auf einmal, Ey, das war ja auf Spanisch ;) Hab mich voll gefreut :D
Sonntag, 8. November 2009
Irgendwie sind Argentinier total glauebig... Jedenfalls meine Familie... Und mit glaebig meine ich so allgemein glaeubig, nicht nur auf die Kirche bezogen. Die glauben zum Beispiel total in Karten legen oder so und wenn Car eine Pruefung an der Uni hat, stellen die eine Kerze auf mit einem Bild von einem Schutzpatron. Als ich sie gefragt habe, ob ihnen das wirklich hilft, meinten sie, natuerlich, das hilft uns immer total... Naja, die Pruefungen waren beide schlecht, aber was solls ;) Heute morgen hat meine Gastmama eine SMS von einem Freund bekommen, der angeblich die Zukunft sehen kann, dass sie heute gut auf den Grossvater aufpassen soll. ALs wir dann zum essen zu ihm gegangen sind, hatte er sich den Kopf gestossen, was dann natuerlich auch als schlechtes Zeichen gesehen wurde. Deshalb wurde dann sofort die Tante angewiesen, morgen Weihwasser mitzubringen...
Samstag, 7. November 2009
Es regnet!!! ENDLICH ! Ich glaube, ich habe mich noch nie so sehr ueber Regen gefreut... Hoffentlich ist das nicht nur ein Schauer, aber ich glaube nicht, es ist den ganzen Abend schon so windig und unwettermässig... Wir brauchen viel Wasser, es gibt einige Dörfer die schon seit Tagen nichts mehr haben, die Seen und Fluesse sind voellig ausgetrocknet, man kann sie teilweise zu Fuss ueberqueren... Hier in der Stadt haben wir zum Glueck noch Wasser, es wurde zwar gesagt, dass sie uns in der naechsten Woche fuer einen Tag das Wasser abstellen, mal abwarten was jetzt passiert. Ich verstehe nicht, warum sie uns nicht schon viel frueher das Wasser wenigstens gekuerzt haben - die Doerfer haben nichts mehr und hier gibt es weiterhin Leute die sich ueberhaupt nicht kuemmern. In meiner Schule wurde heute zum Beispiel heute noch die ganze Turnhalle von innen mit einem Wasserschlauch ausgespritzt. Die Sportlehrerin ist richtig wuetend geworden. Sie lebt in den Bergen, auch im Moment ohne Wasser. Irgendwie fehlt da so ein bisschen das Bewusstsein. In den Nachrichten kommen jetzt aber immer schon Tipps und Aufrufe zum Wassersparen. Ich hoffe also, die Situation verbessert sich jetzt ein bisschen - muss allerdings sagen, dass der Regen schon fast wieder aufgehoert hat ...
Mittwoch, 4. November 2009
"In einigen Doerfern haben heute die Wasserkuerzungen begonnen. Córdoba bleiben noch fuenf Tage mit Wasser." ... und dann haben wir nichts mehr. Die Situation ist die schlechteste seit dreissig Jahren, es regnet viel zu wenig. Ein paar Doerfer haben jetzt schon kein Wasser mehr, in anderen wird jetzt an manchen Tagen als Sparmassnahme das Wasser abgestellt. Und wenn wir nicht alle richtig aufpassen und es nicht bald wieder regnet sitzen wir in fuenf Tagen im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Trockenen. Das muss man sich mal vorstellen, dann ist einfach nichts mehr da!
Dienstag, 3. November 2009
Ein paar Informationen zur Tierwelt hier: Mal abgesehen von den riesigen Ameisen und Kaefern, und einer Schlangenart (die allerdings nich viel groesser als ein Regenwurm ist) hatten wir gestern Besuch von einer Ratte... ;) Vielleicht war´s auch ne grosse Maus, auf jeden Fall ekelhaft und mit langem Schwanz... Ich bin um 12 Uhr schlafen gegangen, bzw. hab noch Musik gehoert und auf einmal hoer ich meine Gastschwestern kreischen. Bin dann aufgestanden und hab nachgeguckt was los ist und da standen Pao und Meli (die hat bei uns uebernachtet) vor dem Wandschrank und haben mit Besenstielen darin rumgestochert. Die Maus/Ratte hatte Meli wohl im Badezimmer ueberrascht und ist danach in den Schrank gefluechtet. Wir haben dann nach und nach alle Sachen aus dem Schrank geraeumt - bei jeder Bewegung sind wir schreiend auf die Tische und Stuehle gefluechtet, Maedchen halt ;) - und irgendwann hatte das Viech kein Versteck mehr und hat sich an irgendwelchen Sachen hochgehangelt und sass dann auf der Garderobe. Von da aus ist es ueber den Tuerrahmen wieder ins Badezimmer und hat sich in einer Plastikblume versteckt... Das wussten wir allerdings nicht und haben darin rumgestochert und auf einmal flitzt diese Ratte mitten zwischen unseren Fuessen durch und nach draussen in den Garten... Ich hatte gerade ein Video gemacht, man sieht nicht viel, aber auf einmal fangen alle voll an zu kreischen... Werde ich bei Gelegenheit mal hier reinstellen :D Und jetzt haben wir alle Angst, die Tueren aufzulassen, nicht dass das Vieh wiederkommt und uns im SChlaf ueberrascht - ich wills mir gar nicht vorstellen ;) ... Ahhh...
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