"Das Leben ist wie ein Buch: Wer nicht reist, liest nur eine Seite davon."

Jean Paul (1763 - 1825)

Dienstag, 17. November 2009

Jetzt muss ich mal ausfuehrlich von meinem Wochenende berichten. Das war naemlich echt super....

Am Donnerstagnachmittag bin ich mit 15 anderen Leuten aus meiner Schule und drei Lehrerinnen losgefahren nach San Fransisco de Chañar, ein armes Dorf im Norden von Córdoba. Bis Samstag wollten wir dort bleiben und eine kleine Schule in der Pampa besuchen und dort helfen...Bevor es losging haben wir uns alle in der kleinen Aula unserer Schule in Córdoba versammelt und die ersten Klassen hatten eine Verabschiedung fuer uns vorbereitet. Sie hatten Geld und Spielzeug fuer die kleine Schule gesammelt und Plakate gemacht, die uns viel Glueck bei der Mission wuenschten. Dann wurde uns noch jeder eine Kette mit einem kleinen Holzkreuz ueberreicht, das uns beschuetzen sollte. Wir haben gebetet und danach ging es dann endlich los. Schon die dreistuendige Busfahrt war lustig, ich habe mich mal mehr mit ein paar Maedchen unterhalten, mit denen ich sonst eigentlich nichts zu tun habe und wir haben uns echt super verstanden.
Das Dorf war wider aller Erwartungen total huebsch und gepflegt, wir wurden herzlich empfangen, die Leute hatten extra Matratzen zum Schlafen fuer uns gesammelt, was uns freudig ueberraschte, fast niemand hatte naemlich eine Luftmatratze dabei. Den Abend haben wir auf dem Dorfplatz verbracht, das erste, was uns auffiel, war die Sauberkeit, es lag kein Papierschnipsel herum - ein Unterschied zur Grossstadt Córdoba... Was den anderen auch besonders erschien (fuer mich war es eher normal, schliesslich bin ich gebuertiger Doerfler ;)), war dass die Kinder alleine auf der Strasse gespielt haben.. Sie waren alle super suess, ein Kind hat spaeter ihrer Mutter erzaehlt: Mama, da war ein Maedchen, die konnte nicht reden. Die spricht richtig schlecht, sie konnte es einfach nicht. Und dann hat die Mama ihr erklaert, dass das daran liegt, dass das Maedchen aus Deutschland kommt und das Kind hat gefragt: Deutschland, was ist das?... Super lustig, das sind dann so Dinge, die die Kinder in diesen Doerfern einfach nicht mitbekommen. Dieser erste Abend war richtig schoen gemuetlich, wir sassen alle zusammen auf dem Platz, haben gegessen und ein bisschen gesungen, ein Maedchen hatte naemlich eine Gitarre dabei...
Am naechsten Tag wurden wir um 6 Uhr geweckt und um sieben gings los zu der kleinen Schule. Eine Stunde Busfahrt durch die Pampa - Die Landschaft bestand aus trockener Erde und Graesern und dunkelgruenen Pflanzen. Die einzigen Farbtupfer waren ein paar bunte Blueten einiger Baeume und Kakteen. Alle 20 Minuten kam mal ein kleiner Hof, ein paar Kuehe, Pferde und Huehner. Und dann waren wir angekommen.
Ein weisses kleines Gebaude mit einem Schild dran, das zeigte, dass dies eine Schule war. Es gab ein Klassenzimmer, eine Mini-Kueche und einen Essensraum und Toiletten. Die ungefaehr 20 Kinder, die taeglich teilweise zwei Stunden von den abgelegenen Hoefen zur Schule laufen, blickten uns neugierig an. Wir luden die Sachen aus (Trinkwasser fuer uns - das Wasser aus dem Hahn dort ist nicht trinkbar), Spielzeug und natuerlich die Farbe usw. zum Anstreichen)... Waehrend wir dann mit der Arbeit begannen und das Klassenzimmer leerraeumten, Stuehle und Tische abschmiergelten und mit dem Streichen begannen, machten die Schueler draussen mit Trommeln Musik und tanzten Folkloretaenze, ein Lehrer spielte Gitarre. Dann gab es Fruehstueck, erst fuer die Kinder und dann fuer uns und danach ging es mit der Arbeit weiter. Obwohl die Sonne inzwischen schon ziemlich hoch stand und es bestimmt schwuele 35 Grad waren, ging niemandem die Motivation verloren. Wir schmiergelten und strichen die Waende bis alle farbverschmiert und kaputt waren. Als wir innen fertig waren ging es ans sauber machen. Nicht nur wir sondern auch der Boden hatte einiges an Farbe abbekommen, die es jetzt mit Lappen und Buersten abzukratzen galt. Auch das war relativ schnell geschafft, da wir viele Leute waren. Um zwei Uhr gab es Mittagessen und um vier waren wir zurueck in dem kleinen Dorf. Dort gab es dann noch eine Ueberraschung, man hatte uns vorher gesagt, dass wir uns nicht duschen koennten, weil es ja im Moment so wenig Wasser gibt.Das war dann aber doch moeglich, zwar nur kurz und mit kaltem Wasser aber das stoerte niemanden. Zwei Stunden spaeter gingen wir alle frisch geduscht und mit sauberen Klamotten zur Eisdiele und verbrachten den Rest des Abends wieder auf dem Dorfplatz. Zu reden gab es viel, so viele Eindruecke hatte der Tag gebracht. Die Armut hier war leicht zu erkennen. Alles war viel einfacher, mir waren viele Kinder und Frauen aufgefallen, die verfaulte Zaehne hatten, aber trotzdem waren diese Menschen nicht ungluecklich als wir. Im Gegenteil, sie hatten eine beeindruckende Lebensfreude. Eine schoene Situation war zum Beispiel, als wir ein paar Jungen in der Schule den Fussball gegeben hatten, den wir mitgebracht hatten. Ein ganz gewoehnlicher Fussball, aber diese Kinder hatten sich so darueber gefreut, ein heiler, unzerfetzter Fussball und sie haben gestrahlt, als haetten wir ihnen sonst was geschenkt.
Am naechsten Vormittag machten wir weiter, strichen noch den Essensraum, die Tueren und Fenster an. Heute blieb mehr Zeit, auch etwas mit den Kindern zu machen, wir spielten Fussball mit ihnen und mittags bereiteten die Vaeter als Dankeschoen fuer alle einen Asado (argentinisches Grillen) vor. Wir assen alle gemeinsam, mit den Lehrern, Kindern und Eltern. Danach wurde ich gebeten, den Leuten ein paar Saetze auf Deutsch zu sagen, um den Kindern zu zeigen, dass es auch noch andere Sprachen und Laender gibt. Sie haben mich mit offenen Muendern staunend angeguckt, so etwas hatten sie wohl wirklich noch nie erlebt. Die Lehrer der kleinen Schule haben jetzt geplant, im naechsten Jahr fuer fuenf Tage mit den Kindern nach Córdoba zu kommen. Sie wuerden ihnen ein Kino, ein Shopping-Center, eine Rolltreppe zeigen, alles Dinge die sie vorher noch nie gesehen haben.
Diese zwei Tage waren total beeindruckend und schoen, es gibt einem ein gutes Gefuehl, zu sehen, wie man Menschen eine Freude macht, auch nur mit so kleinen Dingen, wie ihre Schule anzustreichen und ihnen ein paar alte Spiele zu schenken.

1 Kommentar:

  1. wow joana sowas würde ich auch gerne machen.....es ist immer so komisch die armut zu sehen und doch nichts zu tun können......aber in meiner schule gibt es auch sogenannte "missionen" in denen sie in die indiodörfer fahren.....hoffe, dass ich daran auch teilnehmen kann......sprechen die in den argentinischen dörfern spanisch?? oder eine indiosprache, so ist das hier nämlich...
    wie geht es denn mit deinem spanisch, kannst du das "R" rollen, wenn ja sag mir mal wie du das machst.....krieg das einfach nicht hin und alle machen sich immer über meinen akzent lustig^^ mach weiter so! hab dich lieb :)

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